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Heute gibt's zur Abwechslung mal eine Hausaufgabe. Dafür liebe ich Ethik. ;)

Verkehrte Welt?!?

Ein rascher Kuss auf die Wange von ihrem Mann und Andrea Kowalski war in voller Montur auf dem Weg zur Arbeit. Sie startete das Auto, doch es sprang nicht an. Flüche vor sich hinmurmelnd, versuchte es ein zweites Mal. Vergeblich. Also stieg sie aus, klappte die Motorhaube hoch und begutachtete den Schlamassel. Auf den ersten Blick konnte sie keinen Schaden entdecken, doch ihre Mechatronikerintuition ließ sie den Deckel des Öltanks aufschrauben und die Füllhöhe des Öls prüfen. Siehe da, der Schuldige ward gefunden. Sie füllte das Öl nach, schloss den Deckel und die Motorhaube und setzte sich wieder ins Auto. Jetzt erzielte sie, als sie den Zündschlüssel umdrehte, den gewünschten Erfolg. Sie winkte ihrem Mann, der sie vom Fenster aus beobachtet hatte, und fuhr von dannen. Michael Kowalski drehte sich um und schüttelte bewundernd den Kopf. Wie seine Frau das immer hinbekam! Es war zwar ihr Beruf, aber für ihn stellten Autos ein noch größeres Rätsel als die Dinosaurier dar. Mit dem gemeinsamen Sohn Kilian auf dem Arm ging er zurück in die Küche. Kilians große Schwester Tina steckte gerade ihre Matchboxsammlung in ihren blauen „Cars“-Rucksack, denn heute war im Kindergarten Spielzeugtag. Da Kilian noch zu klein war, um seine „Barbie“-Tasche selbst zu packen, legte ihm sein Vater seine Lieblingspuppe hinein. Zu dritt zwängten sie sich in den engen Flur. Michael setzte Kilian auf der Garderobe ab, zog sich seinen taillierten Trenchcoat an und schlang sich sein Rosentuch um den Hals. Dann setzte er Kilian die rosafarbene Strickmütze vom Opa auf den Kopf und schnürte dessen violette Jacke zu. Zum Schluss stülpte er ihm die „Barbie“-Schuhe über. Tina konnte sich schon allein anziehen, schließlich kam sie diesen Sommer in die Schule. Nur bei dem Piratenkopftuch, das sie so gerne trug, musste ihr Vater helfen.

Auf dem Weg zum Kindergarten kickte sie einen Stein durch die Gegend, lief voraus, hob ihn auf und tat so, als müsse sie sich durch einen Pulk Gegner wälzen. Das hatte sie gestern in den Nachrichten bei der Zusammenfassung eines Footballspiels gesehen. Irgendwann, wenn sie alt genug dafür war, wollte sie ihrer Lieblingsspielerin Melinda Average aus den USA nacheifern. Kilian war sich über seinen Lieblingssport noch nicht sicher, aber mit zwei Jahren drängte die Zeit noch nicht. Dennoch verfolgte er bereits fasziniert die Abenteuer von „Angelo Ballerino“ auf dem Kinderkanal. Die Anmut des Mäuserichs berührte ihn, auch wenn er die Wörter „Anmut“ und „berühren“ noch nicht einmal kannte.

Michael setzte seinen Sohn auf die Bank unter Kilians Namensschild ab und zog ihn aus. Tina hatte sich bereits verabschiedet und war zu ihrer Garderobe gesaust. Sie konnte es kaum erwarten, mit ihren Autos und denen der Freundinnen die Bauklotzrennbahn unsicher zu machen. Im Spielzimmer waren Marie und Emma bereits eifrig dabei, einen besonders schwierigen Parcours aufzubauen. Die Jungs saßen mit ihren Puppen und Plüschtieren in der Kuschelecke zusammen. Sie hatten aus den größten Kissen eine majestätische Burg gebaut, auf der ein herzerweichend schluchzender Prinz hockte, der sich mit dem schauerlichen Anblick eines blutrünstigen Drachens konfrontiert sah. Doch Rettung nahte bereits. Eine stattliche Prinzessin machte sich auf den Weg, das Untier zu erdolchen und den Prinzen zu freien, auch wenn an dieses anrüchige Unterfangen noch kein Junge im Kindergartenalter seine unschuldigen Gedanken verschwendete. Tina, Marie und Emma waren inzwischen mit ihrer Rennbahn fertig und ließen ihre Wagen darüber zischen. Andere Mädchen saßen an einem Tisch zusammen und metzelten gegenseitig ihre Actionfiguren von „Spiderman“ und „Batman“ und anderer Superhelden nieder. Die Erzieherinnen saßen an ihrem Tisch, erledigten Verwaltungskram und hoben ab und zu den Blick, um zu sehen, was ihre Schützlinge so anstellten.

Nach der Mittagspause nahmen alle ihre Spiele wieder auf, doch keine zehn Minuten danach passierten zwei unerhörte Dinge. Am Tisch der Superhelden hielt ein Mädchen inne, mit ihrer Figur die eines anderen zu verdreschen und sagte: „Was haltet ihr davon, wenn wir mit denen ein Kaffeekränzchen machen?“ Sie deutete auf die Figuren und setzte ihre bereits in Position. Die anderen sahen sie schockiert an und eins rief: „Frau Meieeer!“ Rasch kam die angesprochene angerannt und beugte sich zu der Ruferin vor. „Frau Meier, Amelie will, dass unsere Superhelden Kaffeekränzchen machen. Das ist doch nur was für Jungs.“ Vorwurfsvoll schaute die Ruferin Amelie an. Frau Meier versuchte zu beschwichtigen. Sie hatte geahnt, dass ein Mädchen irgendwann mal an Aktivitäten teilnehmen wollte, die eigentlich nur Jungs interessieren sollten. „Ähm, wollt ihr denn ein Kaffeekränzchen machen?“, fragte sie einigermaßen ratlos in die Runde. Die Mädchen schüttelten entschieden den Kopf. Also wandte sie sich an Amelie: „Aber du willst unbedingt, oder?“ Sie bejahte. „Na, dann“, entschied Frau Meier und man sah ihr an, dass es sie einige Überwindung kostete, „geh doch zu den Jungs und frag sie, ob sie ein Kaffeekränzchen machen wollen.“ Die Mädchen sogen hörbar die Luft ein. Mit Jungs spielen! Auf was für die Ideen diese Frau Meier kam! Jungs, die unbekannten Wesen, an die sich kein Mädchen herantraute. Auch Amelie war zunächst unsicher, doch dann packte sie trotzig ihre „Hulk“-Figur, bedachte die anderen mit einem vernichtenden Blick und marschierte hinüber in die Kuschelecke. Alle anderen hatten das Schauspiel natürlich mitbekommen und verfolgten ihren Gang teils mit unermesslichem Erstaunen, teils mit kindlicher Verachtung. Als Amelie die Kuschelecke erreichte, atmete sie noch einmal tief durch und fragte mit vor Aufregung viel zu hoher Stimme: „Wollt ihr mit mir Kaffeekränzchen spielen?“ Erst sahen sich die Jungs erstaunt an. Sie hatten es noch nie erlebt, dass ein Mädchen mit ihnen spielen wollte. Doch dann nickten sie grinsend und rückten auseinander, um ihr Platz zu machen. Nur Armin nicht. Er stand auf, kletterte von der Kuschelecke herunter und schritt todesmutig unter verwunderten Blicken hinüber zu Tina und ihren Freundinnen. Solange die drei schon mit ihren Autos spielten, solange wünschte er sich bereits mitzuspielen. Die Dramen um Prinzen und Drachen ödeten ihn an. Als er jedoch vor den dreien stand, war sein Todesmut verflogen und er überlegte bereits ernsthaft, ob er nicht wieder umdrehen sollte. Da sagte Tina lächelnd zu ihm: „Hallo Armin, willst du vielleicht mitspielen?“ Marie und Emma sahen sich an, als sei sie vollkommen verrückt geworden. Doch Tina ließ sich nicht beirren, sondern bedeutete Armin, dass er sich neben sie setzten sollte. Hocherfreut brachte er ein heiseres „Ja“ heraus, sank neben ihr auf die Knie und nahm von ihr einen roten Sportwagen entgegen.

Die Praktikantin, die mit Frau Meier an einem Tisch saß und die ganze Szenerie von ihrem Platz aus beobachtet hatte, klatschte in die Hände und schenkte sowohl Amelie als auch Armin ihr strahlendstes, stolzestes Lächeln und einen in die Höhe gestreckten Daumen. Die Kinder hätten sicherlich sehr viel zu erzählen, wenn sie heute nach Hause kamen. Dann verdunkelte sich ihre Miene angesichts der garantiert eintreffenden Beschwerden von besorgten Eltern.

26.3.13 16:58

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Katja / Website (7.5.13 20:20)
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