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Wordwell Rose geht weiter!!

Als sie in der Stadt ankamen, mussten sie abrupt bremsen. Vor ihnen zog sich eine Autoschlange bis in die nächsten Straßenzüge. Die Autos standen Stoßstange an Stoßstange, es ging weder vorwärts noch rückwärts. „Was ist denn hier passiert?“, fragte Mary einen Polizisten, der aufgebrachte Fahrer besänftigte und versuchte, den Stau noch irgendwie aufzulösen. Doch das war ein Kampf gegen Windmühlen. Er nahm seine Kappe ab und wischte sich über die Stirn. „Vorn am Markt gab es einen Unfall, ein Lieferwagen ist mit mehreren PKW kollidiert.“ Kaum hatte er ausgesprochen, hantierte er wieder mit einem staffelstabartigen Gegenstand, um den Verkehr in einigermaßen geruhsame Bahnen zu lenken. Leichter gesagt als getan. Er drehte sich noch einmal zu den Jugendlichen um. „Ihr wollt auch ins Stadtzentrum, oder?“ Sie nickten. „Dann fahrt an der A11 entlang, und biegt rechts auf den Fahrradweg am Fluss ein.“ Sie bedankten sich, wendeten ihre Räder und fuhren den Weg, den ihnen der Polizist beschrieben hatte. Er war holprig, nur mit Sand bestreut und zu seinen Nachbarn zählte unter anderem die örtliche Kläranlage, aber er führte sie recht schnell und entspannt ins Stadtzentrum. Ab hier übernahm Jim die Führung. Er fuhr zwischen Klinkerbauten mit winzigen Vorgärten und verglasten Erkern hindurch und bog scharf nach rechts ab. Er hielt vor einem unscheinbaren roten Backsteinhaus, dessen Schaufenster mit Postern verschiedener Musiker zugepappt war. Jimi Hendrix in seiner berühmten Gitarrenpose, Janis Joplin auf dem Woodstock-Festival, Angus Young in seiner Schuluniform, das Werbeplakat für Meat Loafs „Everything Louder“- Tour im Jahr 1993 und und und. Die Mädchen kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie versuchten, jeden Künstler zu identifizieren. Jim hob den Arm und bedeutete ihnen, ihm und seinem Bruder ins Geschäft zu folgen. Der Laden war nur schwach beleuchtet- gerade so hell, dass man die Titel der Schallplatten, CDs und die Preise der Fanartikel erkennen konnte. Staunend schauten sie sich um und stießen kleine Laute der Begeisterung aus. Als Jess sich umdrehte, war es passiert. Ein großes, emailliertes Rondell mit Dutzenden CDs wackelte, als sie dagegen stieß, trudelte wie in Zeitlupe zu Boden und die CDs ergossen sich unter lautem Getöse über die fleckige Auslegware. Bestürzt schaute Jess auf das Plattenmeer, das sie angerichtet hatte. Von dem Lärm angelockt, kam der Inhaber aus einem Hinterzimmer. Er war groß und muskulös, vielleicht Anfang vierzig. Seine Gesichtszüge waren kantig mit einer besonders markanten Hakennase. Sein Haar war kurz und dunkelbraun und ergraute an einigen Stellen bereits. „Hallo Jungs!“, begrüßte er die Zwillinge mit tiefer, sonorer Stimme. Mary zog die Augenbrauen zusammen. Sein Englisch klang irgendwie ... seltsam. Jetzt erst bemerkte der Mann die drei Mädchen. „Hallo. Ich bin Thomas.“ Er schüttelte ihnen nacheinander mit seiner riesigen Pranke die Hand. Die Mädchen stellten sich ihm vor. Erst jetzt schien er das Chaos auf dem Boden zu bemerken. „Oh je, die Stones-Platten!“ Betreten schaute Jess ihn. „Verzeihen Sie bitte“, murmelte sie. Er lachte und schaute sie dann bewundernd an. „Keine Sorge, das ist doch kein Problem. Im Übrigen finde ich Punks gut“, sagte er augenzwinkernd. Sie schaute an sich hinunter und nickte dann langsam. „Sagen Sie, Sie sind nicht von hier, oder?“, stellte Mary fest. „Ja, das stimmt. Ich bin aus Berlin, lebe aber seit zwanzig Jahren in Thetford. Man hört´s wohl noch?“, fragte er grinsend. Sie nickte. Dann bückte sie sich, um die CDs aufzusammeln. Die anderen halfen ihr dabei.

Das Rondell stand wieder und die Platten waren auch alle nach Namen sortiert. Sie saßen zusammen in dem stickigen Hinterzimmer. Aus den riesigen Boxen dröhnte, wie Thomas ihnen erklärt hatte, Europe mit The Beas“. Von den alten, abgegriffenen Möbeln quoll jedes erdenkliche Rauschmittel. Wasserpfeifen in verschiedenen Farben und Größen standen neben Glaskolben mit Wölbungen, bunten Pülverchen und nicht ganz legal aussehenden Pflanzen. Außerdem lagen noch einige offene Zigarettenschachteln herum. Roseanne wollte lieber gar nicht wissen, wer sich hier wozu traf. Es war vielleicht ganz gut gewesen, dass Susan nicht mitgekommen war. Sie feixte innerlich und betrachtete die Runde eingehend. Jim erzählte wild gestikulierend von einem Doors- Tribute-Konzert und die anderen hörten gespannt zu, vor allem Mary. Sie lächelte versonnen und musterte Jim verliebt von oben bis unten. Nein, so was! So gefühlsbetont hatte Roseanne ihre Schwester ja noch nie erlebt. Wie auch immer. Sie ließ ihr ihren Spaß.

Thomas zündete sich eine Zigarette an und schaute geradewegs zu ihr. Seine Augen waren bräunlich-grün und es war ihr, als durchbohrte sie sein Blick. Attraktiv war er ja, hatte so das gewisse Etwas. Ihre Hände fingen an zu zittern, doch dann rief sie sich zur Ordnung. Rosy, du bist erst vierzehn, und dieser Mann dir gegenüber Anfang vierzig. Du darfst nichts an ihm finden! Sie schaute rasch zu Jess, sah aber aus dem Augenwinkel, wie Thomas mit einem Mundwinkel grinste. Sie hustete, als der Zigarettenqualm zu ihr drang, stand auf und lief nach draußen. Keine Sekunde später stand Mary neben ihr, legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie um das Haus in die nächste Straße. Etwas überrumpelt schaute Roseanne sie an. „Ich hab genau gesehen, wie Thomas mit dir geflirtet hat und wie du dich weggedreht hast. Er wird seine Finger von dir lassen, das verspreche ich dir.“ - „Du hast das mitbekommen?“ Mary lachte. „Na, aber sicher. Genauso wie Jess. Glaubst du etwa, wir sind blind?“ Roseanne schüttelte energisch den Kopf. „Das habe ich nie behauptet. Es hat mich nur verwundert.“ Mary zuckte mit den Schultern. „Tja, wir Schwestern sind eben sehr eng miteinander verbunden.“ Sie lächelte und verpasste ihr einen Stoß in die Rippen. Roseanne wich lachend aus und wollte gerade auf Mary losgehen, als Jess zwischen die beiden trat. „Keine Rangeleien, meine Lieben.“ Die beiden beruhigten sich wieder, dann sagte Jess: „Wir fahren weiter auf einen der Flohmärkte. Es ist der größte in der Umgebung.“

12.1.13 23:07

Letzte Einträge: Heute gibt's zur Abwechslung mal eine Hausaufgabe. Dafür liebe ich Ethik. ;), Harry Potter Fanfiction Teil 1

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