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Kostprobe aus der (vorläufigen) Kurzgeschichte "Wordwell Rose"

Die Reise ging bereits gut los. Mary fand ihren Reisewecker nicht, Jess zerknackte- wer weiß, wie sie das anstellte- ihre Zahnbürste und Roseanne besudelte sich beim Frühstück mit Himbeermarmelade, so dass sie sich noch einmal umziehen musste. Aber sie fand nichts in ihrem beinahe leer geräumten Kleiderschrank. Susan stöhnte, als sie beobachte, wie ihre Schwestern chaotisch durcheinander liefen. Sie war achtzehn und die älteste der Meldwin-Schwestern. Ihre Eltern hatten ihr die Verantwortung übertragen, auf ihre jüngeren Schwestern während der dreiwöchigen Reise Acht zu geben. Mary war siebzehn, Jess sechzehn und Roseanne vierzehn Jahre alt. Während ihre Eltern wie jedes Jahr ins sonnige Cannes fuhren, hatten sich die Schwestern dieses Jahr entschieden, allein mit dem Fahrrad zu verreisen. Ihr Ziel war das kleine Örtchen Wordwell bei Bury  St. Edmunds. Dort hatten sie für drei Wochen ein Ferienhaus gebucht.

Schlussendlich hatte jede ihr Problem beseitigt und sie schwangen sich auf ihre Räder. Ihr Weg führte sie erst einmal heraus aus Peterborough, vorbei an Whittlessey, March und Christchurch. Dann überquerten sie die Grenze zwischen Cambridgeshire und Norfolk. Sie waren nun knapp eine Stunde unterwegs,  das Wetter war wunderschön. Die Sonne schien freundlich vom Himmel, umgeben von zarten Wolken. Sie machten jetzt ihre erste Pause. „Gib mir bitte mal ein Taschentuch“, bat Jess und zog geräuschvoll die Nase hoch. Als sie sich schnäuzte, klang es, wie Roseanne weise bemerkte, wie ein Donnerschlag. Doch als Mary in den Himmel schaute, wusste sie, dass nicht Jess´ Schnauben so gedröhnt hatte. Die Wolken bildeten eine undurchdringliche, schwarze Wand, aus der es gefährlich grollte. Rasch schaute sie sich um, ob sich vielleicht irgendwo eine Möglichkeit zum Unterstellen bot. Dort hinten entdeckte sie glücklicherweise ein Wartehäuschen. „Los, kommt“, wies sie die anderen an, die noch nichts bemerkt zu haben schienen. Ungläubig schauten sie ihre Schwester an, doch sie folgten ihr bereitwillig, als ein Blitz sie zusammen fahren ließ. Sie bugsierten ihre Räder in das kleine Holzhäuschen. Der Hänger jedoch, auf den sie ihre Sachen gepackt hatten, passte nicht mehr in den Unterstand. Die Regentropfen aber platschten inzwischen auf das Holzdach. Ein lautes, lang anhaltendes Trommeln umgab sie, untermalt von Donnerschlägen und effektvoll von Blitzen beleuchtet. Sie mussten notgedrungen zusehen, wie ihre Reisetaschen wegen der Regentropfen immer dunkler wurden. Überall auf den Straßen bildeten sich dünne Rinnsale, die winzige Kiesel, Eichenblätter und dürre Äste mit sich rissen. „Schaut euch das an“, sagte Mary kopfschüttelnd. „Wir können nur hoffen, dass die Vermieterin einen Wäschetrockner besitzt. Ansonsten haben wir ein Problem, und zwar ein ziemlich nasses.“ Die anderen nickten bekümmert.

So rasch, wie das Gewitter aufgezogen war, verschwand es auch wieder. Sie wagten sich aus ihrem Unterstand und begutachteten zunächst ihre nasse Kleidung. „Wie gesagt, wir können nur hoffen“, stellte Susan betrübt fest und schob dann ihr Fahrrad auf die Straße. Ihre Schwestern folgten ihr. Sie fuhren auf der feuchten Landstraße zwischen hohen Pappeln hindurch.

 „Wie lange fahren wir überhaupt noch?“, fragte Roseanne nach einer Weile. Die Landschaft war ja ganz schön, aber langsam wurde sie müde und die Vorstellung, nach ihrer Ankunft keine frischen, nicht durchgeschwitzten Sachen anziehen zu können, ließ ihre Laune nicht unbedingt steigen. Susan sah auf ihre Uhr. „Etwas weniger als zwei Stunden, meine Liebe.“ Sie fuhr vornweg und schaute ab und an auf die Karte, um zu schauen, ob sie denn auch richtig seien. Kaum hatte sie ausgesprochen, rief sie: „Halt!“ und bremste ruckartig ab. Überrascht hielten die anderen an. „Was ist los?“ Sie drehte sich zu ihnen um. „Wir haben uns verfahren.“ Sofort warf Jess brüskiert ein: „Nichts da! DU hast dich verfahren, nicht wir! Warum das?“ - „Ich habe mich im Straßennamen geirrt. Wir müssen umdrehen. Diesmal aber wirklich alle.“ Sie bedachte sie mit einem letzten Blick, wendete ihr Fahrrad und fuhr zur Kreuzung zurück. Sie wandte sich nach rechts und fuhr eine sanft abfallende, gewundene Straße hinunter. Roseanne und Mary radelten hinter ihr, Jess bildete immer noch ein wenig beleidigt das Schlusslicht.

17.8.11 20:07

Letzte Einträge: Heute gibt's zur Abwechslung mal eine Hausaufgabe. Dafür liebe ich Ethik. ;), Harry Potter Fanfiction Teil 1

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