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Schattenwanderer

Der Plattenweg schimmerte hell zu seinen Füßen. Der Mond, von dichten Wolken verdeckt, spendete nur trübe Finsternis, die unseren Helden umgarnte. Das Feld lag schwarz und ruhig, undurchdringliche Schwärze. Ringsumher brachen Lichter der Zivilisation die Dunkelheit und Fahrzeuge vertrieben die betäubende Stille, die er so liebte. Dunkle Stimmen wisperten erregt aus dem Gebüsch, als ein Fahrzeug mit seinen Scheinwerfern den Weg erleuchtete. Warum nur mussten die Menschen das Licht erfinden? Es zerstörte den Frieden, den er empfand, sobald die Nacht hereinbrach. Er war ein Schattenwanderer, verrichtete seine Missionen im Schutze der Dunkelheit, mied künstliches Licht, als sei es eine Seuche. Das war es ja auch. Nichts als Unglück brachte es den Menschen, und noch mehr Unglück den Schattenwanderern. Schwarze Gestalten, kaum zu sehen, nur geübte Augen fanden sie, wenn sie mit der Finsternis verschmolzen. Das scheußliche Knirschen eines automatischen Rolltores ließ ihn zusammenfahren, er rettete sich in den Schatten eines Baumes. Nadelbäume standen wie Schwämme um ihn herum, während die kahlen Laubbäume mit ihren knochigen Skeletten ihre dünnen Finger der Dunkelheit entgegenstreckten. Garstiger Wind brauste um die Ecken, vertrieb die Wolken und der Mond erschien als fetter, heller Klops am Himmel. Um ihn herum sausten Sternschnuppen in einer Tour, der Himmel war heute wieder besonders unruhig. Er zischte wie eine widerliche Schlange und abrupt hörte der Sternenregen auf. Ein Kreischen ließ ihn herumfahren. Vor ihm ließ sich eine der Sternfeen nieder, ein zierliches Geschöpf mit wehendem Haar und durchdringender Stimme. „Was fällt dir ein, uns zu verbieten, zu fliegen?“, fauchte sie. „Ich weiß, dass du das Licht verabscheust, aber das ist kein Grund, uns die Existenz zu rauben.“ Ihre Stimme erinnerte ihn schmerzhaft an diese elektrischen Kreissägen, die die Menschen heutzutage überall verwendeten. Er achtete nicht weiter auf sie, sondern schnippte kurz mit den Fingern. Ein dünner Windfinger erhob sich und die Fee wurde nach vorn geschleudert. Sie kreischte und lamentierte, doch einen Augenblick später war sie verschwunden. Die Bäume bogen sich im Wind, zwei Männer traten aus dem Rolltor, das ihn soeben erschreckt hatte. Ein älterer mit krausem, zum Zopf gebundenem Haar und ein jüngerer mit schwarzem Haar. Es schienen Vater und Sohn zu sein. Sie unterhielten sich lautstark und hielten Bierflaschen in der Hand. Er verfluchte sie. Dann zischte er wieder, diesmal leiser, und zwei Steine sprangen gegen die Flaschen. Sie zerbarsten und ihr Inhalt ergoss sich auf die Straße. Verdutzt und verärgert schauten sich die Männer an und begannen, aufs Übelste zu schimpfen. Er schüttelte belustigt den Kopf und huschte von dannen.
An einer Straßenecke, an der eine Laterne nicht brannte, stand ein Mädchen, ganz in schwarz gekleidet, mit zart weiß schimmernder Haut und das feuerrote Haar fiel ihr in sanften Wellen über den Rücken. Sie wandte sich in seine Richtung. Ein nachtblauer Edelstein, umwunden von drei Schlangen, pendelte bei der Bewegung in ihrem Dekolleté hin und her. Als sie ihn direkt anschaute, fuhr ihr Blick an ihm herunter, ohne ihn tatsächlich zu sehen, wie er zunächst glaubte. Ihre Augen waren von einem satten Bernsteinton, doch ihre Lider schillerten in allen Farben des Regenbogens. Er war fasziniert von ihr, doch er gab sich nicht zu erkennen. Schattenwanderer mussten ihre Identität wahren, egal, wie bezaubernd menschlicher Umgang war. Doch plötzlich zog sie unter ihrem Umhang einen gekrümmten Stab mit einer roten Kristallkugel am oberen Ende hervor, richtete ihn direkt auf ihn und er erstarrte augenblicklich. „Nahmst du tatsächlich an, ich sähe dich nicht“, wisperte sie herablassend. Ihre Stimme war weich und dennoch duldete sie keinen Widerspruch. Aber er war ja auch nicht im Stande, irgendetwas zu sagen. Sie kam gemessenen Schrittes auf ihn zu. Auf ihrer Stirn leuchtete ein rotes Mal in Form eines Stierkopfes und die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Eine Spanische Elfe, nichts lag menschlichem Umgang ferner. Sie lächelte, doch ihr Lächeln war bittersüß, es strahlte Sarkasmus und Verachtung aus. „Mein Lieber, mir gefällt nicht, wie du die dir gegebenen Kräfte missbrauchst, indem du den Sternfeen ihrer Existenz beraubst.“ Ein forscher Sturm zog auf, er wirbelte Blätter und Äste willkürlich umher. Die Spanische Elfe lächelte weiterhin boshaft. Hinter sich spürte unser Held plötzlich eisigen Atem. Oh nein, dachte er schaudernd, nicht das auch noch. Eine weitere Frau trat neben die Spanische Elfe. Sie trug eine dunkle Kapuze, ihr Kleid verdeckte ihren Körper nur an strategischen Stellen. Ihr Blick war unnachgiebig, aus ihrem Rücken wuchsen schwarze Flügel und in der Hand hielt sie eine geschwungene und filigran gearbeitete Sense. Der fleischgewordene Alptraum stand vor ihm. Eine Spanische Elfe, kaltblütig, aber mit ihrer Schönheit betörend und damit all ihre Feinde in die Falle verlockend. Und ein Todesengel. Sind sie in der Nähe, ist Leid, Trauer und Verzweiflung nicht fern. Der Todesengel trat auf ihn zu und fuhr ihm mit ihrem eiskalten Finger über den Hals. Er spürte, wie die Kälte durch seinen Körper kroch und seine gelähmten Glieder einfror. Ehe er jedoch ganz erstarrt war und hier im Dunkeln die Raben als Eisstatue erfreute, erfasste ihn ein warmer Hauch, der das Eis in seinen Adern schmelzen ließ. Die Frauen schauten sich irritiert um. Während die Flammen ihn weiter vom Eis befreiten, bemerkte er etwas, was ihm die Schadenfreude ins Gesicht trieb. Leuchtende Funken nisteten sich im Saum der Kleider der Zauberwesen ein und fraßen sich munter durch den Stoff. Aschehäufchen bildeten sich um die Frauen herum. Der Todesengel bemerkte zuerst, was passierte. Sie wehrte sich fauchend und Eis spuckend gegen die Flammen, doch das nützte ihr wenig. Binnen weniger Augenblicke war sowohl von der Spanischen Elfe als auch vom Todesengel nur noch ein Häuflein weiß schimmernder Asche übrig. Jetzt endlich traute sich der Schattenwanderer umzudrehen. Was er sah, beruhigte ihn zutiefst. Hinter ihm stand ein winziger Drache, der ihn schüchtern anlächelte. Scheute sich der Schattenwanderer auch vor Licht, so waren Drachen doch seine besten Freunde. „Danke, mein Kleiner. Du hast mir sehr geholfen.“ Der Drache tappte verlegen von einer Klaue auf die andere. „Nun ja, ich habe nicht uneigennützig geholfen.“ Unser Held kniete sich zu ihm nieder. „Ach nein? Weshalb dann?“ Ohne aufzusehen, antwortete er: „Ich benötige einen Gefährten. All meine Geschwister und Freunde haben bereits einen Schattenwanderer an ihrer Seite, ich bin der einzige ohne.“ Der Schattenwanderer grinste und hockte sich zu ihm herunter. Der Drache schimmerte dunkelblau. „Na, dann spring auf.“ Er deutete ermunternd auf seinen Rücken und der Drache ließ sich mit einem Schlag seiner Schwingen auf den Federn seiner Flügel nieder. Der Schattenwanderer erhob sich, als es plötzlich anfing zu schneien. Der Schattenwanderer kniff die Augen zusammen. Die heutige Nacht war wohl nicht seine. Er schlug sanft mit den Flügeln und erhob sich mit seinem neuen Freund auf dem Rücken in die Lüfte. Der Schnee fiel in dicken Flocken vom Himmel, es war klirrend kalt, sodass der Schnee liegen blieb und bald die ganze Welt unschuldig aussah. Doch für einen Schattenwanderer, der in dieser Welt den Menschen keine Spuren hinterlassen durfte, der reinste Alptraum. Trotz des verhangenen Himmels kündingte sich bereits die Dämmerung an. Er machte sich auf zu seiner kleinen Höhle, die tief im Wald verborgen lag, und hoffte, dass die nächste Nacht entspannter ablaufen würde. Aber er glaubte nicht daran.

1 Kommentar 30.12.11 17:57, kommentieren

Rainbow Blood

It was raining, when Shannon and Jimmy left the town. They were on a trip to the Ontario Lake for the weekend. Well, their friendship was really strange. She was one of the most intelligent pupils at school and she looked a little bit like a grey mouse. Jimmy instead was a tough guy and the school´s best rugby player. Usually such pupils aren´t friends.  But they knew each other since the days of kindergarten.

 

They sat in Jimmy´s car, both were seventeen, and drove along the highway. In the radio they played songs of the 80´s, Jimmy´s favorite music. Jimmy turned the radio louder, when, in his opinion, the “best song ever” came. Shannon smiled quietly, because Jimmy was drumming with his fingers on the steering wheel. The rain was falling all the time, but this didn´t destroy their great mood. Shannon leaned her head against the window and stared outside. The landscape flew past them very quickly. It was grey and you could see nothing more than outlines. “Do you think that the weather will change anytime?” Jimmy asked her. She nodded slowly. “Yes, I think. It won´t be so dark every time.  There are also still more than three hundred miles left, where the weather can change.” This was the last conversation for a long time. The needn´t to say much to understand the other.

They drove for three hours to the Ontario Lake. There they went into the small cottage both had rent for the weekend. They sat down in the two chairs in the garden and watched a sunset. Suddenly Shannon started to glow. Her eyes turned from green to golden, her skin shone brightly. She stood up and looked at herself. “Shannon!” Jimmy shouted and jumped a meter away from her. Then the ground divided and both fell for a long time. Small stones were falling up, in their opposite direction. They landed on hard rocks. All around them were beautiful flowers and colorful little butterflies. Iridescent birds were flying in high trees and next to Shannon and Jimmy flowed a cold and clear river. It was like paradise here. She was the key to a hidden country.

 

They walked a small path along the river. It was really amazing here. But out of the blue an arrow hit Jimmy in his shoulder. He dropped on the path and blood was flowing out of the wound.  There was a shadow in the forest, which was running away, when Shannon looked in his direction. At first she wanted to follow the shadow, but then she took Jimmy on her shoulders and looked for a village, where she could find help. He was very heavy because of his muscles, nevertheless she walked mile after mile until she found a group of still four houses and a little church, which were built of wood.  She knocked on the door of the biggest one. An old woman opened and screamed, when she saw Jimmy bleeding. “He needs help” Shannon wheezed and collapsed in front of the woman. She lugged them into her house and heaved Jimmy on her bed. Then she gave Shannon a cup of water and she woke up. “I can help him” the old woman promised “but I need a special medicine. It was a toxic arrow, which has hit him. I need Rainbow Blood! It´s far away from here, at the end of the rainbow.  An evil dragon watches it. You need a trick to get it. I´m sure you´ll deal it. Good luck!” And with a kick Shannon was outside the house and didn´t really know what she was doing here. Then she remembered the words of this old woman. What was Rainbow Blood? Where was the end of the rainbow? Which ploy should she take to trick the dragon? Questions, just questions. No answers. She walked slowly down the path and looked up into the sky. She noticed the colorful and tall rainbow above her and the she had an idea. The rainbow was always there, not how in her world where it comes and goes with the rain. So she followed it. The way led her through dark and dense jungle, but she could always see the rainbow in the sky.

At night she stumbled and fell over a small rock. It was very dark and she decided to stay here until the sun would come up. She found a hollow under some bushes where she slept for the night.

The sun came up in the east and awoke her. She stretched her and walked then further on way. Gradually she began to run. She ran faster and faster. On her way she met really strange creatures. There was a big red fish, which was walking next to her, when she passed a wooden bridge over a deep river.

Suddenly a mighty wall towered in front of her. The bricks were slippery and wet, but she had to find a way across, because on the left and on the right was no way to pass it. She looked for something she could use as a ladder. There came a big and heavy turtle. It was very slow, but when it crossed Shannon, she jumped on it and pulled herself up on the wall. The turtle looked up to her, shook the head and walked further. Shannon jumped on the other side of the wall down and ran. She followed the rainbow above her in the sky which was lighter than ever.

 

She has been running more than four hours when she finely got to a big gate of wood. She stemmed against it and opened it quietly. But the dragon the old woman told her was waiting for her, when he saw how light came in. She heard him whisper and faltered. “What do you want” the dragon asked with a dark and sonorous voice. She harrumphed and said: “Well, I want the Rainbow Blood.” The dragon didn´t give answer, suddenly he was above her and spat fire. She could rescue herself with a jump behind a column. “You´ll never get Rainbow Blood!” he shouted. But she saw the pot, which was shining in all colors of the rainbow. She ran to it and scooped the liquid with a small bottle. The dragon turned around, flew to her and spat fire again. But she ran away, through the door and into the darkness.

 

The old woman waited for Shannon, but she never came. Jimmy died after two days and she buried him in the graveyard of the village. No one has seen Shannon again.

1 Kommentar 6.12.11 17:27, kommentieren

Ein schöner Traum

Können Menschen süchtig machen? Kann das Verlangen, in ihrer Nähe zu weilen, so überhand nehmen, dass alles andere überhaupt nicht mehr zählt? Bereitet das Bedürfnis, sie zu berühren, auch körperliche Schmerzen und Beschwerden wie beispielsweise Atemnot? Vernebelt es einem einem das Hirn so sehr, dass man nur noch doof grinsen kann und sich nichts anderes als diese Person wünscht? Ist es möglich, dass alles andere dermaßen in den Hintergrund tritt, dass es nicht mehr als eine verschwommene Kulisse ist?
Wenn das alles stimmen sollte, dann ist diese Sucht die schönste Begleiterscheinung der Liebe!

Während sie zu ihm hinüber schaute, flog ihr Füller kratzend über das Papier. Die Worte kamen wie ein Fluss. Es waren Gedanken, die zu wichtig, zu poetisch waren, um sie wieder zu vergessen. Sie fühlte genau das, wenn sie ihn nur ansah. Seine leuchtenden Augen, sein spitzbübisches, aber freundliches Lächeln ließen sie regelmäßig dahinschmelzen. Plötzlich kam er auf sie zu, alle anderen um sie herum standen auf. Es hatte zur Pause geläutet. Sie erhob sich und packte ihre Sachen zusammen. Er lächelte sie auf diese unnachahmliche Weise an. Ihre Hand hielt in ihrer Bewegung inne, als er sie berührte. Sie verlor sich in seinen Augen, als er ein kleines Stück näher an sie heranrutschte. Er suchte ihren Blick, und als sie die Entschlossenheit darin auffing, erschrak sie für einen Moment. Doch eine einzige seiner Bewegungen wischte die Unsicherheit fort, als wäre es Staub. Er streichelte ihre Hand und glitt mit den Fingerspitzen ihren Unterarm hinauf. Er verweilte in ihrer Armbeuge und schaute sie unverwandt an. Er beugte sich noch ein Stück näher zu ihr. Ihre Hand tastete sich vorsichtig an seinem Hals hinauf, bis sie seine Wange erreichte. Sie gab sich einen Ruck und küsste ihn direkt auf den Mund.

In diesem Moment knallte sie mit dem Kopf auf die Tischplatte. Der Lehrer musterte sie missbilligend und die Klasse kicherte. Sie seufzte peinlich berührt und wünschte sich, unter dem Tisch zu verschwinden.

2 Kommentare 5.10.11 19:17, kommentieren

Noch ein Gedicht! Schiller ist vielleicht inspirierend ;)

Nährende Sehnsucht

Quillt über im Herzen

Leuchtende Tränen 

Rinnen des Nachts

Glückselige Liebe

Bleibt ihr verwehrt

Tiefe Trauer

Bleibt nur zurück

 

Jemand ganz Besonderem gewidmet

1 Kommentar 22.9.11 14:51, kommentieren

Heute zur Abwechslung mal ein Gedicht über die Liebe ;)

Warte noch

Bleibe hier

Liebe mich

Schweig mit mir

 

Gehst du fort

Bin ich allein

Bleibst du hier

Bin ich allein

 

Tränen rinnen

Regen rollt

Abschied fällt schwer

Doch Liebe noch mehr

1 Kommentar 15.9.11 19:13, kommentieren

Überschrift noch nicht gefunden -> Vorschläge willkommen

Als  erstes war da ein melodiöses Brummen, dass von der Zufahrtsstraße heraufschallte und mich aufhorchen ließ. Dann sah ich immer wieder etwas durch die Bäume funkeln und kurz darauf rollte ein Oldtimer knirschend unsere Straße hinauf. Ich war baff. Dieses Auto war ein absolutes Schmuckstück. Tannengrün lackiert, glänzte es mit chromblitzenden Scheinwerfern, Rücklichtern und Applikationen sowie silbernen Radkappen. Von diesem Anblick dermaßen verzückt, kletterte ich das Gerüst herunter und beobachtete das Auto zunächst von der Straße aus. Es fuhr hinter den Kuhstall, wendete und hielt dann auf dem Grünstreifen vor dem Haus der Nachbarn. Nun schlenderte ich neugierig hin, um es aus der Nähe zu betrachten. Ich fragte mich, wer diese außergewöhnliche Gefährt denn lenkte. Das erste, was ich von dieser unbekannten Person zu sehen bekam, war ein weißer Lederhandschuh, der auf dem Handrücken ein Loch und einen goldenen Druckknopf hatte. Dann schwangen sich makellos glatte Beine aus dem Wagen, die in hochhackigen schwarzen Lackpumps steckten. Wer war diese Frau? Das Geheimnis lüftete sich auch nicht, als sie in einer fließenden Bewegung aus dem Auto stieg. Sie trug ein schwarzes, ausgestelltes Kleid mit weißen Punkten sowie weinrotem Gürtel und Rüschen am Saum im Stil de 50er Jahre. Genauso sah auch ihre Frisur aus. Nun schob sie sich die geschwungene Sonnenbrille ins Haar und mir klappte buchstäblich die Kinnlade herab. Das war leibhaftig unsere Nachbarstochter! So hatte ich sie wirklich nicht in Erinnerung. „Hallo Benedikt“, grüßte sie mich kess lächelnd und lehnte sich an den Wagen. Sie sah aus wie hingegossen, so perfekt passte sie zu diesem Automobil. „Du scheinst ja ziemlich begeistert von meinem fahrbaren Untersatz zu sein?“, stellte sie fest und strich zärtlich über das Dach. Oh, fügte ich in Gedanken hinzu, nicht nur von dem Auto. Stattdessen aber fragte ich: „Wo hast du dieses Schätzchen her? Was ist das überhaupt für eine Marke?“ Mit einer Geste bedeutete sie mir, dass ich mit der Hand über die Motorhaube fahren durfte. „Das ist ein Austin Healey 3000, Baujahr 1967. Eine Freundin hat ihn mir geliehen, weil ich zu diesem Oldtimertreffen in der nächsten Stadt wollte, aber kein würdiges Präsentobjekt hatte.“ Ich trat näher auf sie zu und musterte sie von oben bis unten. „Aber das Kleid stammt von dir?“ Sie nickte. „Das gehört mir, ja.“ Ich zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen. „Du ziehst das doch nicht im Hörsaal an, oder?“ Sie schüttelte energisch den Kopf, wobei eine Strähne aus dem sorgfältig nach hinten geklemmten Haar löste. „Ich trag das nur zu besonderen Anlässen wie eben diesen Treffen oder größeren Feierlichkeiten.“

Ich steckte meine Hände tief in die Taschen meiner Arbeitshose und schaute sie lange an. Sie war wirklich bezaubernd. Ihre schwarzen Augen blitzten frech und musterten mich aufmerksam. Mir wurde langsam seltsam zumute. Was sollte denn dieser prüfende Blick? Sie lachte auf. „Was ziehst du denn für ein Gesicht?“ Ich überlegte kurz, beugte mich vor, griff nach ihrer Hand und gab ihr einen, hoffentlich, Form vollendeten Handkuss. Als ich mich aufrichtete, lächelte sie mich verblüfft an. Dann zog sie mich rasch an sich heran. Sie legte mir den Arm um die Taille und küsste mich auf den Mund. Jetzt war ich verblüfft, schlang ihr die Arme um die Hüfte und war, jawohl, überglücklich.

1 Kommentar 21.8.11 14:52, kommentieren

Kostprobe aus der (vorläufigen) Kurzgeschichte "Wordwell Rose"

Die Reise ging bereits gut los. Mary fand ihren Reisewecker nicht, Jess zerknackte- wer weiß, wie sie das anstellte- ihre Zahnbürste und Roseanne besudelte sich beim Frühstück mit Himbeermarmelade, so dass sie sich noch einmal umziehen musste. Aber sie fand nichts in ihrem beinahe leer geräumten Kleiderschrank. Susan stöhnte, als sie beobachte, wie ihre Schwestern chaotisch durcheinander liefen. Sie war achtzehn und die älteste der Meldwin-Schwestern. Ihre Eltern hatten ihr die Verantwortung übertragen, auf ihre jüngeren Schwestern während der dreiwöchigen Reise Acht zu geben. Mary war siebzehn, Jess sechzehn und Roseanne vierzehn Jahre alt. Während ihre Eltern wie jedes Jahr ins sonnige Cannes fuhren, hatten sich die Schwestern dieses Jahr entschieden, allein mit dem Fahrrad zu verreisen. Ihr Ziel war das kleine Örtchen Wordwell bei Bury  St. Edmunds. Dort hatten sie für drei Wochen ein Ferienhaus gebucht.

Schlussendlich hatte jede ihr Problem beseitigt und sie schwangen sich auf ihre Räder. Ihr Weg führte sie erst einmal heraus aus Peterborough, vorbei an Whittlessey, March und Christchurch. Dann überquerten sie die Grenze zwischen Cambridgeshire und Norfolk. Sie waren nun knapp eine Stunde unterwegs,  das Wetter war wunderschön. Die Sonne schien freundlich vom Himmel, umgeben von zarten Wolken. Sie machten jetzt ihre erste Pause. „Gib mir bitte mal ein Taschentuch“, bat Jess und zog geräuschvoll die Nase hoch. Als sie sich schnäuzte, klang es, wie Roseanne weise bemerkte, wie ein Donnerschlag. Doch als Mary in den Himmel schaute, wusste sie, dass nicht Jess´ Schnauben so gedröhnt hatte. Die Wolken bildeten eine undurchdringliche, schwarze Wand, aus der es gefährlich grollte. Rasch schaute sie sich um, ob sich vielleicht irgendwo eine Möglichkeit zum Unterstellen bot. Dort hinten entdeckte sie glücklicherweise ein Wartehäuschen. „Los, kommt“, wies sie die anderen an, die noch nichts bemerkt zu haben schienen. Ungläubig schauten sie ihre Schwester an, doch sie folgten ihr bereitwillig, als ein Blitz sie zusammen fahren ließ. Sie bugsierten ihre Räder in das kleine Holzhäuschen. Der Hänger jedoch, auf den sie ihre Sachen gepackt hatten, passte nicht mehr in den Unterstand. Die Regentropfen aber platschten inzwischen auf das Holzdach. Ein lautes, lang anhaltendes Trommeln umgab sie, untermalt von Donnerschlägen und effektvoll von Blitzen beleuchtet. Sie mussten notgedrungen zusehen, wie ihre Reisetaschen wegen der Regentropfen immer dunkler wurden. Überall auf den Straßen bildeten sich dünne Rinnsale, die winzige Kiesel, Eichenblätter und dürre Äste mit sich rissen. „Schaut euch das an“, sagte Mary kopfschüttelnd. „Wir können nur hoffen, dass die Vermieterin einen Wäschetrockner besitzt. Ansonsten haben wir ein Problem, und zwar ein ziemlich nasses.“ Die anderen nickten bekümmert.

So rasch, wie das Gewitter aufgezogen war, verschwand es auch wieder. Sie wagten sich aus ihrem Unterstand und begutachteten zunächst ihre nasse Kleidung. „Wie gesagt, wir können nur hoffen“, stellte Susan betrübt fest und schob dann ihr Fahrrad auf die Straße. Ihre Schwestern folgten ihr. Sie fuhren auf der feuchten Landstraße zwischen hohen Pappeln hindurch.

 „Wie lange fahren wir überhaupt noch?“, fragte Roseanne nach einer Weile. Die Landschaft war ja ganz schön, aber langsam wurde sie müde und die Vorstellung, nach ihrer Ankunft keine frischen, nicht durchgeschwitzten Sachen anziehen zu können, ließ ihre Laune nicht unbedingt steigen. Susan sah auf ihre Uhr. „Etwas weniger als zwei Stunden, meine Liebe.“ Sie fuhr vornweg und schaute ab und an auf die Karte, um zu schauen, ob sie denn auch richtig seien. Kaum hatte sie ausgesprochen, rief sie: „Halt!“ und bremste ruckartig ab. Überrascht hielten die anderen an. „Was ist los?“ Sie drehte sich zu ihnen um. „Wir haben uns verfahren.“ Sofort warf Jess brüskiert ein: „Nichts da! DU hast dich verfahren, nicht wir! Warum das?“ - „Ich habe mich im Straßennamen geirrt. Wir müssen umdrehen. Diesmal aber wirklich alle.“ Sie bedachte sie mit einem letzten Blick, wendete ihr Fahrrad und fuhr zur Kreuzung zurück. Sie wandte sich nach rechts und fuhr eine sanft abfallende, gewundene Straße hinunter. Roseanne und Mary radelten hinter ihr, Jess bildete immer noch ein wenig beleidigt das Schlusslicht.

1 Kommentar 17.8.11 20:07, kommentieren